ALSLEBEN Ein Ort, der viel erlebt hat

23.04.2014

ALSLEBEN
Ein Ort, der viel erlebt hat

Am Samstag wird der Naturfriedhof in Alsleben seiner Bestimmung übergeben

5894066_1_1GWLNB„Wahrhaftig dieser Ort ist heilig, er ist ein Vorhof des Himmels!“ heißt es in einem Andachtsbüchlein der St. Ursulakapelle bei Alsleben aus dem 19. Jahrhundert, an der am Samstag ein Naturfriedhof seiner Bestimmung übergeben wird.
Auf majestätischer Bergeshöhe, umgeben von einer malerischen Landschaft, steht 1,5 Kilometer südlich von Alsleben eine nach der heiligen Ursula benannte Kapelle. Die Heilige, die schon viele hundert Jahre in Deutschland verehrt wird, erlitt im 5. Jahrhundert zusammen mit ihren Gesellinnen in Köln den Märtyrertod.

Wie es scheint, stand schon in alter Zeit ein der heiligen Ursula geweihtes Gotteshaus auf diesem Bergrücken. In einem würzburgischen Geleitsbuch von 1596 wird ein Weg beschrieben, der über „… S. Ursell in Alßleber Marckung …“ zog. Auf einer 1613 gezeichneten Karte wird der Höhenzug zwischen Sternberg/Zimmerau und Alsleben/Gompertshausen als der „Urschelbergk“ bezeichnet.
Ein deutlicher Hinweis auf einen Vorgängerbau ist das in der Kirche befindliche Votivbild aus dem 16. Jahrhundert. Es zeigt die Ermordung der heiligen Ursula und ihrer Jungfrauen und trägt die Inschrift: „Da durch Altertum dieses Bild erloschen war, so gerade vor 198 Jahr, wurde es durch Gutthäter wieder renoviert. St. Ursula zum Lob, so ihr gebührt; im Jahre 1778, Peter Bauer, Maler.“
Es erscheint möglich, dass die erste Ursulakapelle in den Stürmen des Bauernkrieges im Frühjahr 1525 zerstört wurde. Verschiedene Erscheinungen in den Jahren 1700 bis 1703 waren für die Wiederentstehung der Wallfahrt von ausschlaggebender Bedeutung.
Dazu gesellten sich zahlreiche sagenhafte Überlieferungen. Erneut wurde hier eine kleine Kapelle errichtet. 1704 stiftete Freifrau Eva Rosina – Witwe des Sternberger Schlosserbauers Wolff Dietrich Truchseß von Wetzhausen – die Reliquien. Sehr schnell war die St. Ursulakapelle beliebtes Wallfahrtsziel.
Die Wallfahrt zur „Urschula“, wie die Kapelle im Volksmund genannt wird, nahm insbesondere unter Pfarrer Johann Michael Reuß im 18. Jahrhundert ein solches Ausmaß an, dass das Gotteshaus die Gläubigen nicht mehr fassen konnte. Es wurden bis zu 10 000 Wallfahrer jährlich gezählt. Bereits 1750 wurde daher unter Mithilfe der Nachbargemeinden mit dem neuen Kirchenbau begonnen. Er wurde 1754 geweiht.
In einem Eremitenhäuschen nahm ein eigener Küster seinen Wohnsitz, und zur Versorgung der zum Teil von weit hergekommenen Wallfahrer wurde ein Wirtshaus in der Nähe erbaut. Pfarrer aus der oberen Gegend Unterfrankens wurden zur Aushilfe herangezogen. St. Ursula befand sich in höchster Blüte. Die „Bruderschaft zur hl. Ursula“ (Mitgliedereintragungen finden sich im Alslebener Pfarrarchiv von 1849 – 1934) gab der Wallfahrt einen starken Rückhalt.
Im Zuge des Säkularisation wurde die Wallfahrtskirche St. Ursula 1803 vom Staat geschlossen, Eremitenhäuschen und Wirtshaus abgebrochen. 1807 stellte der Würzburger Weihbischof Zirkel auf einer Visitationsreise fest: „Die ganze anliegende Gegend wünscht die Wiedereröffnung der Ursulakapelle!“
Auf Bitten der Alslebener wurde sie 1811 endlich wieder geöffnet. Rasch wurde die Ursulakirche wieder ein religiöser Mittelpunkt im Grabfeld. Im Wallfahrts- und Andachtsbuch von 1886 wird allerdings festgestellt: „Allein was St. Ursula gewesen, ist es bis jetzt nicht wieder geworden!“
Am 5. Juni 1875 wurde die Kapelle durch Blitzschlag in Brand gesetzt. Ein Augenzeuge schrieb nieder: „Es war ein herzzerreißender Anblick, als die Flammen aus dem Thurme schlugen, um der ganzen Gegend das nahe Ende dieser hl. Stätte zu verkünden. Aus dem so herrlichen Tempel war in kurzer Zeit eine Ruine geworden.“
Es war allgemein der Wunsch zu verspüren, die St. Ursulakapelle so bald wie möglich wieder aus dem Schutt erstehen zu lassen und bereits im Herbst 1876 war der Neubau dank des opferwilligen Geistes der Bevölkerung der Umgegend nahezu vollendet. Die Nebenaltäre, das Gnadenbild und einige Statuen, die gerettet werden konnten, wurden neu vergoldet, 1882 wurde die Kirche wieder feierlich eingeweiht, 1888 ein neuer Hochaltar aufgestellt und eine Sakristei angebaut.
Der Chor der St. Ursulakapelle ist dreiseitig geschlossen. Das Langhaus mit Flachdecke weist drei Fensterachsen und ein Süd-, Ost- und Westportal auf. Die Fassade hat einen geschweiften Giebel, worin sich eine Muschelnische mit einer Steinfigur der heiligen Ursula befindet. Der Hochaltar ist modern romanisch, die Seitenaltäre Rokoko, um 1750. Die Kanzel ist barock und entstand um 1680.
1982 wurden zwei neue Glocken geweiht, welche die Soldatenkameradschaft Alsleben sowie private Spender stifteten. Die Gläubigen werden nun mit den Tönen „d-f-g“ zum Gottesdienst gerufen. 1983 wurde die Innenrenovierung der Wallfahrtskirche durch Erneuerung der Bänke abgeschlossen und 1986 der Turm der Kapelle neu verschiefert.
Wie beliebt der traditionsreiche Wallfahrtsort nach wie vor ist, beweist immer wieder aufs Neue der stets ausgezeichnete Besuch der Gottesdienste, die unter anderem an höheren Feiertagen (Dreifaltigkeitsfest, Maria Himmelfahrt, St. Michaelsfest und St. Ursulafest) in der St. Ursulakapelle gefeiert werden.
Reinhold Albert

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